Hyparschale Magdeburg gewinnt den Ernst & Sohn Ingenieurbaupreis 2026
Der Gewinner des 19. Ernst & Sohn Ingenieurbaupreises verbindet nach Aussage der Jury vorbildlich denkmalpflegerischen Anspruch, ingenieurtechnische Innovationskraft und nachhaltige Bauweise
Die Jury des 19. Ernst & Sohn Ingenieurbaupreises verkündete am 27. Februar 2026 den Preisträger, die Hyparschale Magdeburg, eingereicht durch CARBOCON GMBH.
Insgesamt erhielt der Verlag 50 hochkarätige Wettbewerbsbeiträge aus nahezu allen Bereichen des Bauingenieurwesens. Ausgezeichnet wurden neben dem Preisträger die U81 Stadtbahnbrücke über den Nordstern (Düsseldorf) und die Modernisierung U-Bahnhof Sendlinger Tor (München).
Der Ingenieurbaupreis – ausgelobt vom Verlag Ernst & Sohn – zeichnet herausragende Leistungen im Konstruktiven Ingenieurbau aus. Die Bauprojekte werden nach funktionalen, technischen, wirtschaftlichen und gestalterischen Gesichtspunkten bewertet, wobei eine besondere Ingenieurleistung erkennbar sein muss. Diese werden von einer hochkarätigen Jury anhand der Kriterien Konstruktion, Innovation, Interdisziplinarität, Ästhetik und Nachhaltigkeit bewertet.
Preisträger 2026
Hyparschale Magdeburg – Symbol für Erhalt statt Abriss
Bild: Hyparschale Magdeburg – Symbol für Erhalt statt Abriss, © Marcus Bredt
Preisträger des Ernst & Sohn Ingenieurbaupreises 2026 ist die Hyparschale Magdeburg. Die Hyparschale errichtet 1969, zählt zu den bedeutenden Ingenieurbauwerken des 20. Jahrhunderts und gilt als eine der größten Schalenkonstruktionen ihrer Art. Das ikonische Bauwerk, entworfen von dem international renommierten Schalenbaupionier Ulrich Müther, besteht aus vier hyperbolischen Paraboloiden mit einer stützenfreien Spannweite von 48 × 48 m und einer Betondicke von lediglich 7 cm.
Jurybegründung
Die Hyparschale ist ein Wahrzeichen der Stadt Magdeburg und ein wichtiges Zeugnis der modernen Baugeschichte. Der Erhalt des Bauwerks hat daher einen besonderen Stellenwert. Im Vergleich zu Abriss und Neubau oder einer klassischen Spritzbetonergänzung ist die gewählte Instandsetzung die nachhaltigste Lösung, da durch den gezielten Eingriff Ressourcen geschont und Emissionen eingespart werden. Darüber hinaus leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zur Baukultur und zur städtebaulichen Aufwertung des Areals. Nach langem Leerstand kann das Gebäude wieder genutzt werden und ist identitätsstiftend für das Stadtbild.
Zum Zeitpunkt der Instandsetzungsplanung lagen massive Schäden durch Feuchtigkeit und Frost sowie ein Tragfähigkeitsdefizit von rund 50 % vor. Um das denkmalgeschützte Bauwerk zu erhalten und zugleich seine strukturelle Leistungsfähigkeit zu sichern, wurde eine lediglich 1 cm dünne Carbonbetonschicht als hochleistungsfähige Verstärkung aufgebracht. Besonders hervorzuheben ist, dass in diesem Projekt die speziellen Materialeigenschaften von Carbonbeton gezielt ausgenutzt wurden und diese die Aufgabenstellung in überzeugender Weise erfüllen. So konnte die sensible Schalenstruktur materialeffizient und dauerhaft ertüchtigt werden, bei vollständigem Erhalt der ursprünglichen Formsprache.
Die Sanierung verbindet vorbildlich denkmalpflegerischen Anspruch, ingenieurtechnische Innovationskraft und nachhaltige Bauweise. Die Jury würdigt das Projekt als herausragendes Beispiel dafür, wie wegweisende, historische und zur Entstehungszeit innovative Ingenieurbaukunst mit modernen Technologien weitergetragen und für kommende Generationen gesichert werden kann, und verleiht der Sanierung der Hyparschale Magdeburg den Ernst & Sohn Ingenieurbaupreis 2026.
Projektbeteiligte:
*Einreicher: CARBOCON GMBH
*Verantwortliche Ingenieurbüros: Projektleiter Planung Verstärkung/Instandsetzung: CARBOCON GMBH; Konventionelle Tragwerksplanung: Prof. Rühle Jentzsch und Partner GmbH, Prof. Rühle, Jentzsch & Partner GmbH
*Ausführende Baufirma: Standortleiter Karrié Bauwerkserhaltung GmbH
*Bauherr: Kommunales Gebäudemanagement Magdeburg
*Architekt: gmp · Architekten von Gerkan, Marg und Partner