Prof. Dr. Rainer Slotta (1.5.1946-16.6.2026)
Mit dem Ableben von Rainer Slotta ist eine sehr geschätzte und geachtete Persönlichkeit von uns gegangen, die nicht nur das Deutsche Bergbau-Museum Bochum (DBM) über Jahrzehnte in seltener Weise geprägt hat. Seit seinem Eintritt im Jahr 1974 als Stipendiat der Thyssen-Stiftung, zunächst mit der Inventarisation technischer Denkmäler betraut, war sein Name mit dem heutigen Leibniz-Forschungsmuseum für Georessourcen untrennbar verbunden. 1987 wurde er zu dessen Direktor berufen, bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2012 gab er der Institution wissenschaftliche Richtung, öffentliches Profil und internationales Ansehen.
Rainer Slotta war für seine Mitarbeitenden über viele Jahre als Vorgesetzter auch ein verlässlicher Förderer. Dass im Jahr 2001 das Montanhistorische Dokumentationszentrum (montan.dok) am DBM gegründet werden konnte, verdankte sich wesentlich auch seiner Unterstützung. Er erkannte früh, dass Sammlungen, Bibliothek und Bergbau-Archiv nicht nur Orte des Bewahrens, sondern Forschungsinfrastrukturen ersten Ranges sind. Ohne sein Vertrauen, seine Offenheit für neue institutionelle Strukturen und seine Bereitschaft, montanhistorische Dokumentation als Kernaufgabe des Hauses zu verstehen, wären dieser Schritt und die weitere Entwicklung des montan.dok nicht möglich gewesen.
Rainer Slotta gehörte zu den Pionieren der Industriearchäologie in Deutschland. Mit seinen Arbeiten zu den Technischen Denkmälern in der Bundesrepublik Deutschland, mit seiner Einführung in die Industriearchäologie, mit unzähligen Aufsätzen, Gutachten und Beratungen hat er wesentlich dazu beigetragen, technische Denkmäler des Bergbaus als historische Quellen eigener Würde sichtbar zu machen. Er war ein früher und nachdrücklicher Anwalt der Industriekultur, lange bevor dieser Begriff breite Geltung gewann. Sein Wirken reichte dabei weit über Deutschland hinaus. In den internationalen Zusammenhängen des International Committee for the History of Technology (ICOHTEC) sowie von The International Committee for the Conservation of the Industrial Heritage (TICCIH) gehörte er zu den Mitgestaltern und galt als ein hochgeschätzter Vertreter der deutschen Montangeschichts-, Denkmal- und Museumsszene.
Als Direktor verband er Forschung, Sammlung und Ausstellung mit großer Energie und beeindruckender Produktivität. Zugleich besaß er die seltene Gabe, wissenschaftliche Präzision mit anschaulicher Vermittlung zu verbinden. Wer mit ihm arbeitete, erinnert sich an seinen Fleiß, seine gleichsam enzyklopädische Kenntnis montanhistorischer Zusammenhänge und seine unverminderte Leidenschaft für Kunst und Kultur im Bergbau.
Auch nach seiner Pensionierung blieb Rainer Slotta seinem beruflichen Feld eng verbunden. Für die Vereinigung der Freunde von Kunst und Kultur im Bergbau e. V., heute Vereinigung der Freunde des Deutschen Bergbau-Museums Bochum, war er weiterhin Autor, Impulsgeber und Identifikationsfigur. Ebenso galt seine Treue dem Bergmannstisch Bochum e. V. Noch in den letzten Jahren publizierte er mit ungebrochener Intensität; seine jüngste Veröffentlichung in der Ausgabe von Der Anschnitt, die erst kurz nach seinem Tod Ende Juni 2026 erschien, belegt dies eindrucksvoll. Mit Rainer Slotta verlieren wir einen großen Gelehrten, einen leidenschaftlichen Museumsfachmann und einen dem Bergbau in all seinen historischen, kulturellen und menschlichen Dimensionen tief verpflichteten Freund. Sein Werk wird bleiben. Sein Rat, seine Zugewandtheit und seine Präsenz werden fehlen.
Michael Farrenkopf
Foto: Olaf Ziegler/ Dt. Bergbau-Museum Bochum, 2008