Historische Erdölförderpumpe im Freilichtmuseum am Kiekeberg bei Hamburg eingeweiht
Eine historische Erdölförderpumpe wurde nach eigenen Angaben im Freilichtmuseum am Kiekeberg bei Hamburg am Donnerstag, dem 29. Oktober, eingeweiht. Die auch als „Pferdekopfpumpe“ oder „Nickesel“ bezeichnete Anlage stammt aus dem Erdölfeld Reitbrook in den Vier- und Marschlanden bei Bergedorf von dem Unternehmen Neptune Energy. Sie wurde in den 1960er-Jahren gemeinsam mit vielen anderen bis 2020 zur Erdölförderung eingesetzt. Baugleiche Pumpen standen an weiteren Orten im heutigen Landkreis Harburg. Am Kiekeberg befindet sich das Industriedenkmal nun auf der grünen Wiese, ähnlich wie an ihrem Originalstandort, und erzählt die Geschichte vom Erdöl in der Region. Das Projekt wurde durch den Förderverein des Freilichtmuseums am Kiekeberg finanziert. Aktuelle Informationen sind abrufbar unter kiekeberg-museum.de.
Rettungsbergung für die regionale Erdölgeschichte
Stefan Zimmermann, Direktor des Freilichtmuseums am Kiekeberg, berichtete: „Normalerweise haben solche Projekte bei uns einige Jahre Vorlauf. Diese klassische Rettungsbergung haben wir nebenher abgewickelt.“ Die Initiative kam von Thomas Haupt, Direktor des Geologischen Landesamts Hamburg: „In ein paar Jahren sind die Pumpen alle weg. Wir mussten reagieren. Es ist mir wichtig zu zeigen, welche Rolle Erdöl hier im Raum Hamburg gespielt hat. Weil dieses Museum auch ein Ort für Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ist, wollen wir die Transformation vom Erdöl bis hin zu erneuerbaren Energien in der Region veranschaulichen“, sagte er. In den vergangenen Monaten unterstützte Thomas Haupt das Freilichtmuseum am Kiekeberg mit seinem Fachwissen bei der Umsetzung. Weniger als zwei Kilometer vom Museum entfernt liegen weitere Orte der Energiegeschichte: das frühere Braunkohlebergwerk Robertshall, der Kavernenspeicher Sottorf und Erdölfelder in der Region Meckelfeld.
Historische Fördertechnik vor Verschrottung bewahrt
Mit dem Rückbau der letzten Erdölförderanlagen in der Elbmarsch verschwinden die Denkmäler regionaler Industriegeschichte aus dem Landschaftsbild. Neptune Energy ist zwar an anderen Orten noch in der Erdölförderung tätig, aber die Pumpen sehen heute ganz anders aus. Silke Bender, Sprecherin des Unternehmens, erklärte: „Eigentlich wurde für die Anlage hier bereits die Verschrottung angestoßen. Aber manchmal braucht es solche Initiativen, um ein Industriedenkmal zu bewahren. Wir freuen uns deshalb, dass diese Pumpe im Freilichtmuseum dauerhaft für die Öffentlichkeit erhalten bleibt.“ Nach Angaben des Unternehmens dauert sein Rückbau im Raum Hamburg noch etwa sechs Jahre.
Wiederaufbau und Mechanik am Kiekeberg
Im September organisierte Theda Boerma-Pahl, Architektin und Abteilungsleiterin Bauen im Museum, die dreitägigen Aufbauarbeiten mit Hilfe eines Krans. Die Hauptteile wurden zusammengebaut und auf einer Betonplatte befestigt. „Die einfache Mechanik so einer Tiefpumpenanlage ist faszinierend, vor allem der nickende Pferdekopf, der bei der Ölförderung dafür sorgt, dass die Zugstange im Bohrloch exakt senkrecht auf und ab bewegt wird“, sagte Theda Boerma-Pahl. Im Museum sind jedoch aus Sicherheitsgründen alle beweglichen Teile fest. „Wir sehen hier den 18,5 Tonnen schweren, oberirdischen Teil mit dem Motorantrieb, der Kurbel mit Gegengewicht und dem Pferdekopf. Auf einem Erdölfeld befand sich die übrige Bohrtechnik Hunderte Meter tief im Erdreich“, erklärte sie.
Erdöl prägte den Alltag – damals und heute
Nach einem Erdgasfund 1910 wurde in Hamburg 1937 auch wertvolleres Erdöl entdeckt. Im Zweiten Weltkrieg lieferte Reitbrook kurzzeitig mehr Erdöl als jedes andere deutsche Feld. Bereits 1941 gingen die Fördermengen jedoch deutlich zurück. Chris Stölting, Abteilungsleiter Wissenschaft, Ausstellung & Sammlung des Freilichtmuseums, sagte: „Unsere Pumpe stammt aus den 1960er-Jahren. Auf dem Feld stand sie nicht allein, wie im Museum, sondern zusammen mit vielen anderen. Den meisten Menschen ist heute nicht bekannt, dass die Erdölförderung noch bis 2020, wenn auch in kleineren Mengen, andauerte. Erdöl war einer der bestimmenden Energieträger und Grundstoffe des 20. Jahrhunderts. Vieles, was wir in unserer Königsberger Straße zeigen, wäre ohne diesen Rohstoff nicht denkbar gewesen: vom Auto über Plastikprodukte bis hin zu Kosmetik und Medizin. Daher ist die Pumpe ein wichtiger Bestandteil unserer Vermittlungsarbeit.“
Wirtschaftsgeschichte erhalten dank Förderverein
Bernd Wiechel, Vorstandsmitglied des Fördervereins des Freilichtmuseums, freute sich, dass der Verein das Projekt finanziell ermöglichte: „Die Erdölpumpe passt als Thema der wirtschaftlichen Entwicklung und Energieversorgung nach dem Wiederaufbau in der Nachkriegszeit gut in unsere Königsberger Straße.“ Seit seiner Gründung im Jahr 1989 ist der Förderverein das starke Rückgrat des Museums. Die Entwicklung seiner Mitgliederzahl zeigt den großen Zuspruch: Während der Verein im Jahr 2003 bereits 2.000 Mitglieder zählte, sind es heute mehr als 14.500.
Weitere Kontakte für Fragen:
- Geologisches Landesamt Hamburg, Thomas Haupt, Direktor des GLA, Telefon: 040 428 40 5274
- Neptune Energy, Silke Bender, Communications Advisor, E-Mail: presse@neptuneenergy.de
www.neptuneenergy.de, Projektinformationen: https://www.neptuneenergy.de/projekte/rueckbau-erdoelbohrungen-raum-hamburg
Fotos:
Bild 1: Stefan Zimmermann in der Königsberger Straße des Freilichtmuseums Bild FLMK
BU 1 Stefan Zimmermann, Direktor des Freilichtmuseums am Kiekeberg, in der Königsberger Straße. Die historische Erdölförderpumpe ergänzt die Darstellung der wirtschaftlichen Entwicklung und Energieversorgung in der Nachkriegszeit.
Bilder 2+3: 29.10.26 Einweihung der Erdölförderpumpe im Freilichtmuseum Kiekeberg Bild FLMK
BU 2+3: Am 29.10.2026 wurde im Freilichtmuseum am Kiekeberg eine historische Erdölförderpumpe mit allen Projektbeteiligten eingeweiht, v. l. Hans-Werner Henze und Silke Bender (Projektleiter und Communications Advisor bei Neptune Energy Deutschland), Theda Boerma-Pahl und Chris Stölting (Abteilungsleiterin „Bauen“ und Abteilungsleiter „Wissenschaft, Ausstellung & Sammlung“ des Freilichtmuseums am Kiekeberg), Sybille Kahnenbley (Stiftungsratsvorsitzende des Freilichtmuseums), Bernd Wiechel (Vorstandsmitglied des Fördervereins des Freilichtmuseums), Thomas Haupt (Direktor des Geologischen Landesamts Hamburg), Stephanie Lehnert (Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft, GLA), Dr. Hans-Jürgen Brauner (Referatsleiter Energieressourcen und Geothermie im Niedersächsischen Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie)
Bild/BU 4: Mehrere Pferdekopfpumpen auf dem Ölfeld Reitbrook, Datierung unbekannt Quelle Deutsches Erdölmuseum Wietze
*******
Pressestelle: Nicole Stadach, Lena Heitmann
Tel. (0 40) 79 01 76-12
Stiftung Freilichtmuseum am Kiekeberg
Am Kiekeberg 1
21224 Rosengarten-Ehestorf
*******
Aktuelles Pressematerial unter kiekeberg-museum.de/aktuelle-presseinformationen
Bleiben Sie mit uns im Austausch über facebook, instagram und unseren Newsletter.
Falls Sie unsere Pressemitteilungen nicht mehr erhalten möchten, schreiben Sie uns an presse@kiekeberg-museum.de.